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Afroamerikanische Literatur



Als Afroamerikanische Literatur ist die mündliche Überlieferung und die schriftliche Literatur der nordamerikanischen Autoren zu verstehen, die ganz oder zum Teil von Afrikanern abstammen und meist in den USA oder Kanada leben.

wird ergänzt. Situli

Table of contents
1 Literatur unter dem Vorzeichen der Sklaverei (17.-19. Jh.)
2 Vom Bürgerkrieg zur Bürgerrechtsbewegung (19.-20. Jh.)
3 Moderne Afroamerikanische Literatur (Mitte 20. Jh./21. Jh.)
4 Literatur
5 Weblinks
6 siehe auch

Literatur unter dem Vorzeichen der Sklaverei (17.-19. Jh.)

1619 treffen auf einem holländischen Piratenschiff die ersten zwanzig schwarzen Sklaven in den USA ein, denen hunderttausende folgen. Die sozialen und historischen Bedingungen, unter denen sich die afroamerikanische Literatur entwickelt, sind aus der Sklaverei abzuleiten.

Menschen werden gewaltsam verschleppt, erleben die Ermordung von Freunden und Familienmitgliedern, den Verlust der Heimat und Kultur. Sie werden von ihren Herren ständig neu traumatisiert durch Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Demütigungen, physische Sanktionen und Depersonalisierungsmaßnahmen. Man leugnet teils ihre Vernunftbegabung, teils spricht man ihnen ab, Menschen mit einer Seele zu sein. Die Sklavenhalter verbieten es, Sklaven das Lesen und Schreiben zu lehren und benutzen dann den Analphabetismus als Argument für die Minderwertigkeit der Rasse. So meint selbst Thomas Jefferson in Notes on the State of Virginia, unter den Sklaven gebe es zwar viel Unglück, aber keine Poesie. Die Afroamerikaner, insbesondere die Schriftsteller, kämpfen bis in die Gegenwart darum, als intelligente Menschen anerkannt zu werden, die gleiche Rechte wie andere US-Bürger haben. Afroamerikanische Literatur ist, auch wo sie noch mündlich auftritt, häufig geprägt von der Verteidigung der Menschenrechte.

Die versklavten Menschen gehören den verschiedensten westafrikanischen Völkern oder Stämmen an und sprechen verschiedene Sprachen oder Dialekte. Zu den Methoden der Masters gehört es, den Sklavenbestand so zu mischen, dass die Versklavten verschiedenen Stämmen angehören, so dass die Verständigung nicht in einer afrikanischen Sprache erfolgen kann. Man bringt ihnen so viel Englisch oder zunächst auch Französisch bei, wie nötig. Die Sprache der Sklavereiopfer ist dominiert vom Englisch oder Französisch der Besitzer, nimmt aber viele afrikanische Ausdrücke auf, so dass ein eigenes Idiom entsteht, das Black English. Die afroamerikanische Literatur unterscheidet sich von der Weißen Literatur oft schon sprachlich. Im 20. Jahrhundert greifen auch Autoren wie Toni Morrison bewusst auf dieses Idiom zurück, in Protestbewegungen, wie den Black Panthers, oder im HipHop wird eine moderne Variante des Slangs kultiviert.

Die Literatur der Versklavten bewahrt trotz allem viele Elemente der afrikanischen Tradition: Lieder, Mythen, Folk Tales (volkstümliche Erzählungen), Wortspiele und Rätsel.

Dazu entstehen situationsbezogene neue Lieder, welche die Arbeit, das Leben in der Neuen Welt, die neue christliche Religion thematisieren. Auf ihnen beruht der ureigenste Anteil der Afroamerikaner an der Weltliteratur: der Blues, das Spiritual und das Gospel, welche die Misere der Schwarzen spiegeln, häufig aber auch die Hoffnung auf Erlösung. Moses und der Auszug Israels aus Ägypten sind häufig behandelte Motive, etwa in Go Down Moses.

Manche Afrikaner werden von weißen Philanthropen freigekauft. Exemplarisch erscheint hier die um 1753 in Gambia geborene Phillis Wheatley. Sie wird 1761 in Boston von den wohlhabenden Wheatleys gekauft und erhält die Erziehung einer Tochter aus gutem englischen Hause. 1973 erscheinen ihre Poemes on Various Subjects, Religious and Moral, die sie international berühmt machen. Von der euro-amerikanischen Literaturwissenschaft werden sie lange als bloßes Imitat weißer Kultur abgetan. Mit Elegien wie To his Excellency General Washington erringt sie ihre größten Erfolge. Bereits Wheatley bezichtigt das Christentum der Hybris.

Eine genuine Textgattung stellt das Slave Narrative (Sklavenerzählung) dar, von der mehrere Hundert überliefert sind. Es handelt sich um Lebensberichte, die ein Sklave/eine Sklavin entweder diktiert oder selbst verfasst. Oft sind sie von Abolitionisten in Auftrag gegeben und schildern formelhaft einerseits die Sklaverei als Widerspruch zu Christentum und Demokratie, andererseits die persönlichen Erfolge des Autors. Slave Narratives gehören damit zum in Amerika beliebten Genre der Erfolgsgeschichten. Beispiele für Slave Narratives sind die Erinnerungen von Briton Hammon (1760), John Marrant (1785), Olaudah Equiano (1789), Jarena Lee (1836), Frederick Douglas (1845) und Harriet Jacobs (1861). Werke weißer Autoren wie Onkel Toms Hütte sind von ihnen beieinflusst.

Williams Wells Brown, Frederick Douglas, Martin R. Delany und Harriet E. Wilson publizieren Mitte des 19. Jahrhunderts bereits Romane und Erzählungen, welche um die Beziehungen zwischen Schwarz und Weiß kreisen.

Vom Bürgerkrieg zur Bürgerrechtsbewegung (19.-20. Jh.)

Als sich im Bürgerkrieg (1861-65) die Nordstaatten geggen die Südstaaten durchsetzen, ist die Sklaverei formell beendet, das Schwarz-Weiß-Denken gegenüber Afroamerikanern jedoch nicht. 1877 kommt es zum sog. Hayes-Kompromiss, in den folgenden Dekaden zur Entwicklung des Ku Klux-Klans, zur Jim Crow-Gesetzgebung und zur gesetzlich geregelten Apartheit.

Autoren und Autorinnen wie die Lyrikerin, Erzählerin und Journalistin Francis Ellen Watkins Harper, Charles Waddell Chesnutt oder Paul Laurence Dunbar setzen sich mit weißer Literatur und Vorurteilen auseinander.

Als intellektuelle Unabhängigkeitserklärung Afroamerikas wird The Souls of Black Folk betrachtet, eine Mischung aus Biographie, Fiktion und Wissenschaft, die William Edward Burghardt DuBois 1903 publiziert.

Nachdem im Ersten Weltkrieg schwarze GIs Europa kennengelernt haben und eine Massenemigration aus dem Süden nach Norden einsetzt, kommt es nach 1920 zur Harlem Renaissance, in der Literatur und Jazzmusik in den Clubs des New Yorker Viertels aufblühen. Ihr Theoretiker ist Alain Locke mit The New Negro (1925). Während farbige Autoren wie Countee Cullen auf europäischer Dichtung aufbauen, entwickelt die Harlem Renaissance Eingenständigkeit. Bedeutende Repräsentanten sind mit Gedichten und Romanen Claude McKay und Langston Hughes. Hier entstehen auch verschiedene Bühnenwerke wie Rachel von Angelina Grimké, Mule Bone von Hughes, Appearances von Garland Anderson und Harlem von Wallace Thurman. Die experimentelle Seite der Harlem Renaissance vertritt Jean Toomer mit Cane (1923). Er mischt Lyrik, Prosa und Drama.

In den 1930er Jahren tritt Zora Neale Hurston mit Kurzgeschichten und Romanen an die Öffentlichkeit, die schwarze Kultur darstellen, etwa die Verflechtung von Christentum und Voodoo-Religion. Sie wird mit Their Eyes Were Watching God 81937) Vorbild für die afroamerikanische Frauenliteratur, zu der seit den 1980er Jahren Dorothy West, Alice Walker, Gloria Naylor, Paule Marshall und Toni Morrison beitragen.

Afroamerikanische Autoren passen sich dem weißen Mainstream an, was andere dazu bringt, die Assimilation satirisch zu behandeln. Wallace Thurman (The Blacker the Berry, 1929) und George S. Schuyler (Black No More, 1931) kritisieren die Sehnsucht, weiß zu sein, als Variante des Rassismus.

Die Harlem Renaissance gilt als Höhepunkt Schwarzer Literatur, endet aber mit der Gettoisierung. Harlem wird in der Weltwirtschaftskrise zum Slum. In den 1930er und 1940er finden Ideen der Linken Eingang in afroamerikanische Kreise. Weiße fördern diese Kultur, etwa mit dem Federal Writers Project (FWP), einem Regierungsprogramm . Es entstehen Texte des Sozialen Realismus zur amerikanischen Misere, Anklagen gegen Ausbeutung und Rassismus, wie Richard Wrights Lawd Today (1935-37) und Uncle Tom's Children (1938). Zur Wright-Schule gehören im folgenden Autoren wie William Attaway, Chester Himes, Ann Petry. Ralph Ellison gestaltet mit Invisible Man einen umgekehrten Entwicklungsroman, der von der Unterdrückung in den Südstaaten zum Getto im Norden führt. James Baldwin (1924-1987) mit seinem umfangreichen Werk an Romanen, Essais und Dramen zählt zu den Nachfolgern Wrights, versucht aber, dessen Protesthaltung zü ünerwinden. Er will nicht auf die Widerlegung weißer Vorurteile fixiert bleiben. Als LyrikerInnen sind Margaret Walker und Gwendolyn Brooks zu nennen, die das schwarze Amerika feiern und das Getto beklagen.

Integrationsbestrebungen zeigen sich im Drama bei Lorraine Hansberry (A Raisin in the Sun, 1959).

Nach 1960 macht sich verstärkt die Bürgerrechtsbewegung bemerkbar. Die Reden von Martin Luther King sind seither einer der hervorragendsten Beiträge zur Rhetorik und Predigt.

Die Ermordung von King, Malcolm X und den Kennedy-Brüdern deprimieren die einen, radikalisieren andere und stärken z.B. die Black Muslims. Eine betont schwarze Haltung, einschließlich einer Hinwendung zum Getto-Idiom, zeigt sich so in The Autobiography of Malcolm X. (1964), Soul on Ice von [[Eldrige Cleaver] oder Revolutionary Petunias von Alice Walker (1973). 1972 publiziert Addison Gayle die Anthologie The Black Aesthetic als Summe der Bewegung. Amiri Baraka alias LeRoi Jones erklärt in Black Fire (1968) deer Dichter und der Politiker seien eins als Krieger, Priester, Liebender und Zerstörer. Baraka plädiert für eine radikale Haßdichtung, in der Lyrik eine Schusswaffe ist und vertritt diese Haltung auch in seinen Dramen. 1965 gründet Baraka die Black Arts Repertory Theatre School, die das militante Theater um 1970 beeinflusst.

Moderne Afroamerikanische Literatur (Mitte 20. Jh./21. Jh.)

Seit den 1960er Jahren emanzipiert sich die afroamerikanische Literatur von der Fixierung auf eine weiße Leserschaft und sucht das Publikum im eigenen Kulturkreis. Man diskutiert die Mehrdimensionalität der Identität, arbeitet die Frage der Herkunft auf und konstituiert eine eigene Black History.

Toni Morrison spricht gezielt von einer Literatur für My Village. Sie wird zur Repräsentantin der modernen Afroamerikanischen Literatur und erhält 1993 den Nobelpreis für ihr Gesamtwerk, zu dem Romane Wie Jazz oder Menschenkind gehören.

Zahlreiche Autoren arbeiten die US-Geschichte aus schwarzem Blickwinkel auf. Robert E. Hayden publiziert mit A Ballad of Remembrance 1962 eine dichterisch-experimetelle Darstellung des Sklavenhandels, Margaret Walkers Roman Jubelee stellt 1968 den Bürgerkrieg aus der Sicht der Sklavin Vyry dar. Ernest Gaines' Romane gestalten US-Geschichte aus der Perspektive einer ungebildeten, aber emanzipierten Greisin in deren Idiom. Zum Klassiker wird Alex Haley mit Roots (1972), einem Roman um den Afrikaner Kunta Kinte und seine Nachfahren, der beweist, dass es nie ein kulturelles Vakuum unter Sklaven gab. Ishmael Reeds Roman Flight to Canada (1976) zeigt die Einheit der Afroamerikaner auf dem Kontinent Nordamerika. Reed parodiert bereits die allzu afrikanische Orientierung der US-Schwarzen. Sherley Anne Williams konfrontiert in Meditations on History (1980) die Erinnerungen einer Sklavin mit den Texten eines weißen Historikers und weitet das Thema aus zu dem Roman Dessa Rose (1986).

Alice Walker, bekannt durch Die Farbe Lila, kritisiert in Everyday Use 1973 die Schwärmerei junger schwarzer Nationalisten für eine Volkskultur, zu der sie keine Beziehung mehr haben. Tracy Chapman, deren Songs zum besten neuer schwarzer Lyrik zu rechnen sind, entlarvt weißen Rassismus und schwarze Sentimentalität und setzt sich mit dem Materialismus der Konsumgesellschaft auseinander.

Als schwarzer Tom Wolfe wird 2002 Stephen L. Carter gefeiert, der in seinem Thriller die schwarze Oberschicht der US-Hauptstadt Washington mit ihren Neurosen und Schattenseiten porträtiert.

Zu den bekanntesten kanadischen Autoren der Gegenwart zählt Austin Clarke, der u.a. mit dem Commonwealth Prize ausgezeichnet wurde.

Literatur

Weblinks

siehe auch

US-amerikanische Literatur; Liste amerikanischer Schriftsteller; Liste englischsprachiger Schriftsteller; USA; Kanada




     
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