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68er-Bewegung



Unter dem Begriff 68er-Bewegung werden in der Bundesrepublik Deutschland die verschiedenen Strömungen zusammengefasst, die seit Mitte der 1960er Jahre gegen die politischen und sozialen Verhältnisse protestierten. Die Bewegung war deutlich studentisch dominiert.

Table of contents
1 Kurzfassung
2 Vorläufer der Studentenbewegung
3 1967/68: Höhepunkt der Mobilisierung
4 1968ff: Radikalisierung und Zersplitterung der Bewegung
5 Literatur
6 Begriffe
7 Weblinks

Kurzfassung

Schon um 1965 protestierten Studenten in der Bundesrepublik Deutschland gegen den Vietnamkrieg und eine prüde Sexualmoral. Als Vorbild dienten die Proteste an amerikanischen Universitäten wie der Universität von Kalifornien in Berkeley. Siehe auch: Free Speech Movement

Seit 1967 entstand als Reaktion auf die Große Koalition unter der Führung des Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) die außerparlamentarische Opposition (APO).

Ein entscheidender mobilisierender Faktor für die APO war der Tod des Studenten Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967 bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien (Mohammad Reza Pahlavi), der sich auf Staatsbesuch in Berlin befand. Die Boulevardpresse, vor allem die Bild-Zeitung, verschärfte die Gegensätze durch eine polarisierende Berichterstattung.

Am 11. April 1968 wurde der Studentenführer Rudi Dutschke bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt, er starb ca. elf Jahre später an den Spätfolgen. Bei den anschließenden Osterunruhen wurden zwei Menschen (Journalisten) in München unter ungeklärten Umständen getötet und ca. 400 verletzt. Das Attentat auf Dutschke und die Ereignisse des Pariser Mai verstärkten die beginnende Radikalisierung der Bewegung, die sich gleichzeitig immer mehr aufsplitterte.

Als Folge der 68er-Bewegung gründete sich um Andreas Baader und Ulrike Meinhof die Rote Armee Fraktion (RAF). Große Teile der Bewegung wandten sich dagegen der SPD unter Willy Brandt zu. Auch Die Grünen können als späte Folge der 68er-Bewegung gedeutet werden.

Vorläufer der Studentenbewegung

Die Geschichte der außerparlamentarischen Opposition in der Bundesrepublik Deutschland beginnt nicht erst im Jahr 1968. Schon vorher, in den späten 1950er Jahren gab es dazu erste Ansätze. Die Inkubationsphase der Studentenbewegung war durch eine zunehmende Politisierung der Öffentlichkeit und gesellschaftsinterne Gegensätze, insbesondere des sich verschärfenden Generationenkonflikts, geprägt. Zusätzlich wirkte der gesellschaftliche Transformationsprozess hin zur Industrie- und zunehmend auch Dienstleistungsgesellschaft, der fast der gesamten Bevölkerung materiellen Wohlstand und ein stark erhöhtes Maß an Freizeit brachte, als Katalysator: Die junge Generation empfand es als zunehmend anstößig, dass der Konsum, dass die Besonderheiten eines Kühlschranks offensichtlich deutlich mehr Beachtung fanden als die Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

1950er: Protest gegen Wiederbewaffnung und Ostermarschbewegung

Die Politisierung der Öffentlichkeit lässt sich schon in den 1950er Jahren beobachten, zunächst vor allem an außenpolitischen Themen wie die Frage nach der Wiederbewaffnung oder der Westintegration. Die diesbezüglichen Debatten zeichneten sich durch ein hohes Maß an Emotionalität und breite öffentliche Anteilnahme aus. An der Frage um die Ausstattung der Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen entzündete sich ein von Intellektuellen geführter, aber von einer breiten gesellschaftlichen Basis getragener Widerstand gegen die Politik der Adenauer-Regierung. Nicht nur hinsichtlich der bemerkenswert hohen Mobilisierung der Bevölkerung, sondern auch im Grad der Organisation der "Kampf dem Atomtod"-Bewegung bedeutete dies eine neue Qualität in der politischen Auseinandersetzung. Zwar zerfiel die Volksbewegung rasch nach der Verabschiedung des entsprechendes Gesetzes im Bundestag; immerhin ging aber aus ihrem harten, pazifistisch geprägten Kern die Ostermarschbewegung hervor, die in den 1960ern allmählich an Bedeutung - allerdings eher zahlenmäßig als politisch - gewann und schließlich eine gewisse kanalisierende Wirkung auf die entstehende, zunächst in ihren Zielen eher diffuse Studentenbewegung ausgeübt haben mag.

NS-Vergangenheit

Die NS-Kriegsverbrecherprozesse, insbesondere der Eichmann-Prozess in Israel ab 1961, brachten die Verbrechen der nationalsozialistischen Zeit -für den Einzelnen oftmals erstmals unübersehbar- aufs Tableau. An Schärfe gewann die Auseinandersetzung mit der 1964/65 anstehenden Verjährung von Schwerstdelikten der NS-Zeit, die im Bundestag kontrovers diskutiert wurde. Gleichzeitig gerieten insbesondere für die jüngere Generation die Verdrängungsbemühungen der frühen Bundesrepublik und die in den 1950er Jahren ausgesprochen milden Urteile gegen NS-Kriegsverbrecher zunehmend in die Kritik. Die Sensibilität für vergangenheitsbelastete Personen in hohen politischen Ämtern, etwa die des Bundespräsidenten Heinrich Lübke, nahm ebenfalls zu.

Spiegel-Affäre

Die Spiegel-Affäre lässt deutlich erkennen, dass sich eine funktionierende kritische Öffentlichkeit gebildet hatte: Selbst die konservative Presse kritisierte das unangemessene Vorgehen der Regierung gegen das Nachrichtenmagazin und sah darin einen verfassungswidrigen Eingriff in die zu schützende Pressefreiheit. Das Potential der kritischen Medien nahm in dieser Zeit trotz einer problematischen Konzentration im Pressewesen eher zu. Auch das zunehmend Verbreitung findende Fernsehen strahlte kritische Magazine aus.

Literatur und Wissenschaft

Ein Signum der 1960er Jahre ist, dass die Literatur und hier insbesondere die Gruppe 47 sich immer deutlicher auf oppositionelle Positionen stellte und schließlich in ihrer Mehrzahl konkret und prosaisch für den Regierungswechsel, für eine SPD-Regierung zu werben begann. Der Einfluss solcher Wahlaufrufe auf die Bevölkerung ist womöglich nicht besonders groß gewesen; mit der Gattung des Dokumentartheaters aber fanden einige Dramatiker den Schlüssel, die breite Öffentlichkeit mit der problematischen Vergangenheit zu konfrontieren, mit dem Höhepunkts des unzählige Male rezensierten und kritisierten Der Stellvertreter von Rolf Hochhuth.

Das relativ neue universitäre Fach der Soziologie entwickelte nun den Ruf einer "kritischen Wissenschaft". Der Einfluss ihrer kritischen Staats- und Gesellschaftsanalyse auf die Studenten sollte nicht unterschätzt werden.

Jugendkultur

Im Zusammenhang mit neuen Musikrichtungen wie Rock und Beatmusikmusik hatte sich währenddessen eine Jugendkultur entwickelt, die sich ihren Ausdrucksformen von der etablierten Gesellschaft zwar zu unterscheiden suchte, jedoch in ihrer grundsätzlichen Ausrichtung unpolitisch, unorganisiert und sicherlich in fast jeder Hinsicht systemkonform war. Trotzdem wurde diese Jugendbewegung, die keineswegs alle Jugendliche umfasste, von den Erwachsenen als ernsthafte Bedrohung ihres herkömmlichen Lebensstils, insbesondere im Hinblick auf die Aufweichung einer rigiden Sexualmoral aufgefasst und abgelehnt. Diese Fehleinschätzung und eine daraus folgende Intoleranz mag viel zur rapide wachsenden Unversöhnlichkeit zwischen den Generationen gegen Ende der 1960er Jahre beigetragen haben.

Große Koalition

In der Parteipolitik machte sich in den 1960ern eine gewisse Nivellierung von Unterschieden bemerkbar. Symptomatisch sind die ähnlichen Slogans, mit der SPD und CDU 1965 in den Wahlkampf zogen. Schon ein Jahr später kam es zur großen Koalition, was die Rolle der parlamentarischen Opposition allein bei der kleinen FDP beließ. Der Plan der Regierung, ein neues Mehrheitswahlrecht einzuführen und so den politischen Markt weitgehend auf die Volksparteien zu beschränken, schien ein weiterer Faktor zu sein, der die Notwendigkeit einer außerparlamentarischen Opposition unterstrich. Ebenso wirkten die Diskussionen um die Verabschiedung der Notstandsgesetze mobilisierend auf Studenten und Schüler. Das Gefühl auch weiter Teile des Bildungsbürgertums, dass etwas faul war im Staate BRD, bestätigte das Empfinden mancher, vor einem "neuen 1933" zu stehen. Dies führte dazu, dass 1968 der Begriff APO schließlich zu einer konkurrenzfähigen Marke wurde.

1967/68: Höhepunkt der Mobilisierung

Forderung nach Reformen in der Hochschulpolitik

Proteste gegen den Vietnamkrieg

Springer-Kampagne

Die Wurzeln der
Kampagne "Enteignet Springer" entwickelten sich schon Anfang 1967, als die Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Hochschulbundes im Hinblick auf die Machtstellung des Springer-Verlags ein Gesetz gegen die Konzentration im Pressewesen forderte.

Die Forderung gewann an Nachdruck infolge des 2. Juni 1967, als in West-Berlin eine Demonstration gegen den Besuch des persischen Schahs von der Polizei mit unverhältnismäßig brutalen Mitteln aufgelöst und im Laufe dieser Aktion der Student Benno Ohnesorg erschossen worden war. Der Großteil der Berliner Presse, insbesondere aber die Publikationen des Springer-Verlags, interpretierte die Ereignisse des 2. Juni zunächst als skandalöse Ausschreitungen der Studenten, die die Polizei korrekt beendet habe.

Dieses Missverhältnis von Realität und Medienberichterstattung bestätigte die Meinung der Studentenbewegung, die sich nun zunehmend von einer "systematischen Hetze", der "gezielten Diffamierung einer Minderheit" durch den Springerkonzern verfolgt fühlte. Unterstützt wurde die im September 1967 von der SDS schließlich beschlossenen Kampagne "Enteignet Springer" unter anderem von der in den 1950er Jahren entstandene "Kampagne für Abrüstung", die ihr Engagement damit begründete, dass nur so die Meinungsfreiheit in Deutschland noch gerettet werden könne.

Eine neue publizistische Eskalationsstufe der ohnehin schon scharfen Auseinandersetzung kann auf Seiten des Springer-Konzerns und einiger Politiker im Februar 1968 diagnostiziert werden. Das Einwerfen einiger Scheiben von Berliner Filialen des Springer-Verlags wurde mit der sog. Reichskristallnacht 1938 verglichen. Aber auch die APO hantierte mit haarsträubenden Vergleichen zur Nazizeit - so stellte ein Flugblatt Axel Springer mit dem Herausgeber des "Stürmer", Julius Streicher, in eine Reihe.

Attentat auf Rudi Dutschke

Eine weitere Radikalisierung der Studentenbewegung, nicht nur in Bezug auf das Thema Springer, lässt sich eindeutig auf den Anschlag auf ihre Symbolfigur Rudi Dutschke, am Gründonnerstag, den 11. April 1968, festlegen. Die folgenden Ostertage sahen "Straßenschlachten, wie es sie Westdeutschland seit der Weimarer Republik nicht mehr gekannt hatte" (Spiegel). Die Verhinderung der Auslieferung der Zeitungen des Springer-Verlags in nahezu allen Großstädten der Bundesrepublik stand dabei im Kern der Auseinandersetzungen.

Die APO diskutierte derweil über die "Gewaltfrage": einerseits in Hinblick darauf, welche Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ziele zukünftig sinnvoll und legitim seien, andererseits im Hinblick darauf, welcher Gewalt man selbst und die Bevölkerung insgesamt eigentlich ausgesetzt sei. Bei letzterem Punkt wurde festgestellt, dass es sich bei der Gewalt "von oben" nicht nur um die Polizeiknüppel auf der Straße handele, sondern z.B. auch eine parteiische Presse als Gewaltinstrument genutzt werde.

Verabschiedung der Notstandsgesetze

Nur einen Monat nach dem Attentat auf Dutschke wurde die lange geplanten Notstandsgesetze endgültig verabschiedet. Die Anti-Notstandskampagne, die seit 1966 sukzessive größeren Einfluss nicht nur unter der Studentenschaft, aber nicht im Parlament, gewonnen hatte, gipfelte im Mai 1968 in einem Sternmarsch auf Bonn, ohne das Gesetz noch verhindern zu können. Die Furcht davor, dass man mit der Einführung der neuen Paragraphen ein neues "Ermächtigungsgesetz" wie im Jahr 1933 erlebe, war äußerst weit verbreitet. Hans-Jürgen Krahl vom SDS sah unmittelbar vor der Verabschiedung der Notstandsgesetze "die Bundestagsabgeordneten entschlossen, die letzten spärlichen demokratischen Rechtsansprüche in diesem Land auszulöschen". Ein Flugblatt weiter: "Es gibt nur eine praktische Antwort auf die Faschisierung der Gesellschaft: Die Organisation des Widerstandes."

Jürgen Habermas wiederum wies (in einer Aufarbeitung der Osterunruhen) allerdings darauf hin, dass eigentlich doch jedes Anzeichen einer revolutionären Lage in der Bundesrepublik fehle. Er warnte die Studentenbewegung vor einer folgenschweren Fehleinschätzung der Situation - und wurde dafür scharf kritisiert.

1968ff: Radikalisierung und Zersplitterung der Bewegung

allgemeine Systemkritik

Insgesamt verlagerte sich die Diskussion in der Folge zunehmend von der Kritik einzelner Probleme wie der Notstandsgesetzgebung oder der Pressekonzentration hin zu einer generellen Kritik am System der BRD. Aus der Phase der Provokation war man endgültig heraus, die antiautoritären
Hedonisten etwa der Berliner "Kommune 1" wurden zurückgedrängt. Ihr Frontmann Dieter Kunzelmann: "Stadtguerilla und maoistische Parteigründungen [entstanden erst] im Herbst 1969. Ihre Geburtsstunde kündigte sich aber bereits Ostern 1968 an."

Ironischerweise noch zur Verschärfung der Radikalisierung trug 1969 die Bildung der sozialliberalen Regierungskoalition bei. Nunmehr stellte sich die Frage Reform oder aber Revolution nämlich viel konkreter. Die Reformierung der Bundesrepublik wurde nun, unter dem Brandtschen Diktums "Mehr Demokratie wagen", zu einem Markenzeichen der Regierung. Wenn man weiterhin die Regierung bekämpfen wollte, musste man nun das ganze System als solches angreifen, um noch die Deutungshoheit besitzen zu können. Es blieb für die außerparlamentarische Opposition quasi nur der Begriff "Revolution" übrig, den Begriff "Reform" hatte ihnen Willy Brandt weggenommen. Folgerichtig wurde bald die Beschimpfung der SPD als "Sozialfaschisten" wieder als der Versenkung geholt.

Zersplitterung des SDS

Seit dem Herbst 1968 änderte sich das Gefüge der außerparlamentarischen Opposition grundlegend. Der SDS konnte nun nicht mehr wie bisher die Jugend- und Studentenbewegung als Ganzes oder auch nur in seinen wesentlichen Teilen repräsentieren. Zahllose neue Gruppierungen entstanden, die bald mehr untereinander um Anerkennung und Machtpositionen als nach außen hin um ihre eigentlichen Zielen kämpften. Die Kritik der Frauen auf der Delegiertenkonferenz im September 1968 über ihre Unterdrückung im SDS gab gewissermaßen das Signal für die folgenden Sezessionen und Zersplitterungen.

Der SDS hatte 1967/68 eine Art Bewegungscharakter angenommen, nachdem sich Basisgruppen gebildet hatten, die aufgrund ihrer jeweils speziellen Ausrichtung bald zu Sammelorganisationen wuchsen und sich schließlich von der Mutterorganisation lösten. Es dauerte noch bis Februar 1970, bis sich der Sozialistische Deutsche Studentenbund auflöste. Der nach dem Attentat auf Rudi Dutschke zum theoretischen Vordenker des SDS avancierte Hans-Jürgen Krahl war einige Tage zuvor nach einem Unfall gestorben - quasi auf der Beerdigung Krahls wurde auch der SDS zu Grabe getragen. Damit war allerdings beileibe kein Ende der Bewegung gekommen, sondern vielmehr erst die echte "Gründungszeit" der zahllosen Zirkelorganisationen. Ende 1968 hatte Horst Mahler mit seiner Formulierung in gewissem Sinne recht, dass die Krise des SDS nur durch ihr Wachstum entstanden sei. Dazu muss angemerkt werden, dass dieses Wachstum nicht nur quantitative (Zustrom von Symphatisanten), sondern eben vor allem qualitative (starke inhaltliche Differenzierungen) Ausmaße hatte. Jede programmatische Festlegung der einzelnen Gruppen musste fortan gleichbedeutend sein mit Fraktionierung und Abgrenzung.

Neugründungen kommunistischer Parteien

Schon im September und Dezember 1968 wurden die DKP bzw. KPD/ML gegründet - Gründungen, die keineswegs nur aus dem SDS entstanden, jedoch ohne die APO nicht denkbar gewesen wären. Das Ziel einer echten Mobilisierung des (zunächst einmal wiederzuentdeckenden) Proletariats konnten dabei weder diese Parteien noch die anderen Organisationen erreichen. Daran änderte auch nichts, dass man sich zunehmend den klassischen "linken" Theoretikern zuwandte, die erstmals in der Geschichte vollständig verfügbar waren. Im scharfen Kontrast zu ihrer ja eigentlich antiautoritären Ausrichtung verehrte die Bewegung nun ernsthaft und nicht nur in popkultureller Spiegelung, wie es ein Jahr zuvor mehrheitlich noch der Fall gewesen war, die Großen des Kommunismus als Heroen.

Theoretisierung und Militarisierung

Die stattfindende Zersplitterung und Radikalisierung löste sich im Laufe der Zeit immer mehr von den realen politischen und gesellschaftlichen Vorgängen. Hatten etwa die Proteste gegen die Notstandsgesetze noch einen direkten Anlass, handelte es sich bei den meisten Streitpunkten der Bewegung ab dem Herbst 1968 eigentlich um Interna. In und mit der Öffentlichkeit wurde kaum mehr diskutiert. Versuche eines Dialogs etwa von Seiten der Politik oder der Hochschulen waren nun zumeist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Im weitgehend internen Diskurs der APO wurde währenddessen die Frage nach der Legitimität der Gewalt zunehmend offensiv beantwortet: Der Grad der geforderten und auch der praktizierte Gewaltsamkeit nahm nach dem Dutschke-Attentat deutlich zu. Ein Höhepunkt der Auseinandersetzung stellte die "Schlacht am Tegeler Weg" in Berlin im November 1968 dar. Die sich eher spontan entwickelnde Militanz dieser Demonstration anlässlich eines Gerichtsverfahrens gegen den APO-Anwalt Mahler wurde in der Bewegung im Nachhinein als Beweis interpretiert, dass es möglich sei, Gewalt dosier- und planbar machen zu können.

Die heiter-antiautoritären Strömungen im SDS bis 1968 verschwanden, die Spaßguerilla wurden von den Stadtguerilla abgelöst, die nicht mehr zu Scherzen aufgelegt waren. Schon im Winter 1968/69 wurden in der Kommune 1 Brandbomben gefunden. In anderen, neuen Kommunen wurde der radikale Spruch "Macht kaputt, was euch kaputtmacht" erstmals zum ernsthaften Motto erhoben. Der Weg in den Terrorismus und hin zur RAF wurde geebnet durch Ereignisse wie 1969 einem Anschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum am symbolischen 9. November. Der Anschlag diente als eine Art Wasserscheide: All diejenigen wurden herausgefiltert, die tatsächlich bereit sein würden, alle Brücken - eben auch diejenigen zur zersplitterten außerparlamentarischen Opposition, die den Anschlag ziemlich einmütig ablehnte - abzubrechen und in die Illegalität und hin zum Terrorismus zu gehen.

Aufnahme des Protests durch die SPD

Die quantitativ wohl größte Teil der Studentenbewegung wandte sich unter Willy Brandts Kanzlerschaft jedoch der SPD zu. Manche mögen ursprünglich mit dem Ziel eingetreten sein, die Partei zu unterwandern. Die meisten dürften zumindest manche Veränderungen in der behäbigen Volkspartei angestrebt haben. Dies führte insbesondere in der Zeit der Regierung Schmidt zu einer tiefen Kluft innerhalb der SPD, verhinderte auf lange Sicht jedoch nicht die Integration des größten Teils der Jugendlichen, von denen einige später als "Enkel" die Führung der Partei übernehmen würden.

Siehe auch: Daniel Cohn-Bendit

Literatur

Begriffe

Revolution - Kommunismus - Anarchie - Feminismus - "freie Liebe" - sexuelle Revolution - Kommune (Lebensgemeinschaft) - Wohngemeinschaft - Kooperative - Jugendkultur - Free Speech Movement

Weblinks




     
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